Abriss-Angst um Basler Haus

Fr 09 Januar 2015 | tags: Blick

Es geht günstiger Wohnraum verloren

BASEL - Dem Haus mit der Nummer 39 droht der Abriss. Damit ginge der Stadt weiterer günstiger Wohnraum verloren, klagen Kritiker.

«Ich habe das Gefühl, ich bin hier daheim», sagt Rebekka Tiefenauer. Die Primarlehrerin sitzt in der Stube in ihrer Wohnung in der Wasserstrasse 39. Einer Wohnung, die sie womöglich bald schon verlassen muss, fürchtet die Mutter zweier kleiner Kinder.

Denn das Haus, in dem Tiefenauer wohnt, ist vom Abriss bedroht. Im Gegensatz zu sieben anderen Häusern in der Strasse soll die Wasserstrasse 39 nun nicht mehr von der bisherigen Besitzerin Immobilien Basel-Stadt über die Genossenschaft Gnischter an ihre Bewohner übergehen, sondern dem Erdboden gleichgemacht werden – entgegen einer Absichtserklärung zwischen Einwohnergemeinde und der Genossenschaft.

Als Gründe dafür habe das Planungsamt des Kantons Brandschutzvorschriften und eine dort neu einzurichtende Feuerwehrzufahrt angeführt, heisst es beim Verein Wasserstrasse, der sich für den Erhalt des Gebäudes einsetzt.

Rebekka

«Wir fühlen uns ungerecht behandelt»

Das widerspreche der Absichtserklärung, in der einzig den benachbarten Gebäuden von Volta-Schule und IWB bei allfälligen Ausbauten Priorität eingeräumt werden sollte.

«Wenn man in der ganzen Stadt die Brandschutzvorschriften anwenden wollte wie hier, dann müsste man einen Grossteil der Innerstadt abreissen», sagt Simone Meier vom Verein. «Wir fühlen uns ungerecht behandelt.»

Das Baudepartement führt indes noch ein weiteres Argument ins Feld. «Derzeit ist nicht gesichert, ob wir das Areal Lysbüchel beim Bahnhof St. Johann so entwickeln können, wie wir uns das vorstellen», sagt Departementssprecher Marc Keller.

Knackpunkt ist die Primarschule

Aus Gewerbekreisen gibt es derzeit Widerstand gegen eine verstärkte Nutzung als Wohnquartier. «Womöglich ist dadurch auch der Neubau der Primarschule auf dem Lysbüchel-Areal nicht möglich», sagt Keller. «Darum müssen wir die Option offenhalten, die Volta-Schule auszubauen.»

Eine Wende – bislang schien klar, dass die Schule auf dem Lysbüchel-Areal das Platzproblem der Volta-Schule würde auffangen können.

Keller: «Wir sind nach wie vor zuversichtlich, dass die Primarschule Lysbüchel gebaut werden kann. Aber solange das nicht endgültig geklärt ist, können wir das Haus Nummer 39 nicht langfristig sichern.»

Für den Verein Wasserstrasse ist dagegen klar: Mit dem Abriss gingen sieben Wohnungen verloren. «Und damit weiterer günstiger Wohnraum in Basel-Stadt», sagt Andreas Bolleter vom Verein Wasserstrasse.

«Wir haben hier eine gut funktionierende Gemeinschaft in der Nachbarschaft», sagt Bewohnerin Rebekka Tiefenauer. «Das möchte ich nicht aufgeben müssen. Und ich möchte auch meine Kinder nicht aus dem Umfeld, das ihnen sehr gefällt, reissen müssen.»

Der Grosse Rat muss demnächst über die Abparzellierung der Wasserstrasse 39 befinden. (eg)

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